Alem Kolbus

Teneris Arboribus

2023

„Sie schnitten junge Bäume ein und bogen sie. Zwischen ihre zahlreichen, in die Breite wachsenden, Zweige pflanzten sie Brombeer- und Dornbüsche und stellten so einen Schutzwall her, der an die Stelle einer Mauer trat und undurchdringlich war, ja sogar jede Sicht versperrte.“ – Gaius Iulius Caesar: De bello Gallico 2,17.

Das Gebilde, das Julius Caesar schon 50 v. Chr. beschreibt, war eine beliebte Form der organischen Landwehr und besitzt viele Namen: Verhau, Wehrbusch, Hahn, Gedörne, Schutzdorn - oder wie im Rheinland gebräuchlich: Gebück. Gebücke haben in der Neuzeit ihre Funktion verloren und existieren noch als Reste und Relikte. Denn wenn die Triebe der jungen Bäume nicht mehr „gebogen“ – also „gebückt“ werden, wachsen sie ungehindert in die Senkrechte, anders als ihre Vorfahren. Schon heute erinnern nur noch die verwobenen Stämme, mit ihrer besonderen Form, an ihre bewegte Geschichte. Bäume, die einst Teil eines nahezu undurchdringlichen Schutzwalls waren, sind heute Zeitzeugen einer Kulturlandschaft mit Ablaufdatum und Symbol für eines der Kernprobleme des modernen Naturschutzes. Die Bäume frei wachsen zu lassen, bedeutet die Strukturen verschwinden zu lassen. Sie auf Grund von Ästhetik neu "zu bücken" wäre wiederum ein grober Eingriff, in den natürlichen Wachstumszyklus der Pflanzen. Was genau mit den ehemaligen Wehrstrukturen um Burgen genau passiert, muss noch entschieden werden. In der Zwischenzeit stehen diese Zeitzeugen zumindest lang genug still, um sie zu portraitieren.

"They cut young trees and bent them. Between their numerous, spreading branches that grew wide, they planted brambles and thorn bushes and thus created a protective wall that took the place of a wall and was impenetrable impenetrable, even blocking every view."
- Gaius Iulius Caesar: De bello Gallico 2,17.

The structure, which Julius Caesar describes as early as 50 BC, was a popular form of organic land defence and has many names: Verhau, Wehrbusch, Hahn, Gedörne, Schutzdorn - or as commonly used in the Rhineland: Gebück. In modern times, the Gebücke have lost their function and still exist as remnants and relics. This is because when the shoots of young trees are no longer "bent", they grow vertically unhindered, unlike their ancestors. Even today, only the interwoven trunks, with their special shape, remind us of their eventful history. Trees that were once part of an almost impenetrable protective wall are now contemporary witnesses of a cultural landscape with an expiry date. Every tree is part of the history and tradition of its location.